Aktuelle Trends aus dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen

Nach der Bundestagswahl: Steht eine Neuregelung der Bewertungsreserven bevor?

Eine Zeit lang war es ruhig gewesen um die Bewertungsreserven der Lebensversicherer. Weitgehend unbemerkt häuften die Versicherer in den vergangenen Jahren immer mehr dieser Buchgewinne an. Diese Entwicklung ist der Zinsentwicklung zuzuschreiben. Versicherer haben einen Großteil der Gelder langfristig in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Diese sind in Hochzinszeiten erworben worden – und somit heute – in der Niedrigzinsphase wertvoller als zum  Zeitpunkt des Ankaufs. Diese Buchgewinne werden von den Versicherern als „Bewertungsreserve“ bilanziert. Damit zeigt sich, dass die langfristige und kluge Anlagestrategie der Versicherer auch – und gerade in Niedrigzinsphasen erfolgreich ist. Dies konnte erst kürzlich eine Studie bestätigen.

Altersvorsorge-Studie: Assekuranz schlägt Asset Manager

“Altersvorsorge in der Asset-Management-Industrie 2013″ lautet der Titel der aktuellen Kommalpha-Studie, in der über 40 institutionelle Investoren, wie zum Beispiel Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke zu ihrer Anlagestrategie befragt wurden. Das Ergebnis: Asset Manager sind Versicherungen bei der Altersvorsorge deutlich unterlegen, und das, obwohl Erstgenannte deutlich in Kapazitäten, Qualifikationen und Prozesse investiert hätten, so Kerstin Bendix von Portfolio Institutionell. Die befragten Investoren bescheinigen den Versicherern “…eine bessere Positionierung im Bereich der spezialisierten Altersvorsorge als den Asset Managern”. Bendix findet das vergleichsweise schlechte Abschneiden der Asset-Manager besonders bemerkenswert, da 71% der befragten Anbieter dem Thema Altersvorsorge selbst eine hohe bis sehr hohe Bedeutung beimessen. Unter Anlegern ist insbesondere vor dem Hintergrund unsicherer Börsenzeiten und Finanzmarktkrisen das Sicherheitsbedürfnis noch einmal gestiegen.

Bewertungsreserven haben sich verdreißigfacht

Während also Fonds reihenweise schließen mussten und Unternehmensanleihen Mühe haben, die Inflationsrate auszugleichen, konnte die Lebensversicherung die Niedrigzinsproblematik ausgleichen und stattliche Bewertungsreserven anhäufen. Insgesamt geht es um einen Betrag von nicht weniger als 75,1 Milliarden Euro. Die Entwicklung zeigt: Seit Jahresbeginn haben sich die Bewertungsreserven um den Faktor 30 erhöht. Sofort setzte ein Verteilungskampf an. Denn die bisherige Regelung sieht vor, dass durch Kündigung ausscheidende Versicherungsnehmer hälftig an diesen Bewertungsreserven beteiligt werden sollen. Das bedeutet nichts anderes, als das die Versicherer dazu genötigt werden, Buchgewinne, die eigentlich zur Stabilisierung der Versichertengemeinschaft gedacht waren, zu realisieren, also das Tafelsilber zu verhökern. Einzelne ausscheidende Versicherte freuen sich somit über hohe Schlussüberschüsse, während die finanzielle Stabilität der gesamten verbleibenden Versichertengemeinschaft gefährdet ist. Das aber kann nicht im Interesse der Altersvorsorge sein.

Der Kampf Einzelinteressen vs. Kollektivinteressen

Trotz zahlreicher Expertenmeinungen, die eine Neuregelung der Bewertungsreserven befürworten, konnte die Gesetzesinitiative, die im vergangenen Jahr zusammen mit dem SEPA-Begleitgesetz verabschiedet werden sollte, im Vermittlungsausschuss des Bundestages nicht reüssieren. Die Neuregelung wurde – auch aufgrund der damals bevorstehenden Bundestagswahl – auf die lange Bank geschoben. Das Thema schien den Beteiligten nicht geeignet für den Wahlkampf, zumal sich einige Verbraucherschützer und Parteien auf Seiten der Einzelnen Stornokunden stellten, anstatt das Versichertenkollektiv zu stärken: „Dabei geht es nicht, obwohl Verbraucherschützer und Grüne es gerne behaupten und Journalisten in dem Reflex, die fünf Prozent Kunden vor den bösen Versicherern schützen zu wollen, gerne schreiben, um eine Verschiebung der Reserven weg von den Versicherten hin zu den Gewinnen der Unternehmen.

Warum wird der Zins nicht einfach erhöht?

„Eine Kritik der Preise ist leicht gemacht“, schrieb der Soziologe Niklas Luhmann in „Die Wirtschaft der Gesellschaft“, Diese Art Kritik, so Luhmann weiter schlösse auch jede Dankbarkeit über das Zustandekommen eines Preises aus, weshalb sich keinerlei moralische Verpflichtungen darüber ergeben könnten. Noch vor der Bundestagswahl sorgte daher Linken-Fraktionschef Gregor Gysi mit seiner Forderung „Warum wird der Zins nicht einfach erhöht?” für Wirbel. Gleichzeitig könnte es aber sein, dass seine Forderung zu einer Neubelebung der Bewertungsreserven-Diskussion führen könne. Denn als Konkretisierung seiner Zinserhöhungsforderung wollte der Fraktionschef wie folgt verstanden wissen: „Ich fordere, dass der Garantiezins bis zu 80 Prozent der Staatsanleihen-Rendite betragen darf“. Dies ist aber etwas ganz anderes. Aktuell liegt die Bemessungsgrundlage des Garantiezinses bei 60%. Eine Verwässerung der strengen Richtlinien für den Garantiezins würde den Höchstrechnungszins nicht einfach erhöhen, sondern ihn lediglich entwerten. Zudem widerspräche das den europäischen Richtlinien; die EU hat gerade erst mit Solvency II ein neues Maßnahmenpaket für die Eigenkapitalrichtlinien auf den Weg gebracht.

Welche Position hat der Zweitmarkt für Lebensversicherungen dazu?

Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen ist als Deutschlands vermutlich größter institutioneller Versicherungsnehmer in jedem Fall von einer Neuregelung der Bewertungsreserven betroffen: Bleibt die alte Regelung, profitieren die Verwalter von Zweitmarktpolicen von Kündigungen durch die hohen Bewertungsreserven, kommt die neue Regelung, würde dies auch die Rückkaufswerte in den Handelsbeständen treffen. Dennoch haben sich professionelle Policenaufkäufer, wie beispielsweise der Marktführer Policen Direkt frühzeitig bewusst auf die Seite des GDV gestellt, indem sie eine Neuregelung befürworten. Policen Direkt argumentiert mit einer höheren Planungssicherheit, die die Neuregelung böte. Dadurch könnten sie höhere Kaufpreise zahlen. Die Neuregelung schlüge sich also direkt in Vorteilen für den Verbraucher nieder. Policen Direkt kauft Lebensversicherungen und führt diese durch Prämienfortzahlung weiter. Dadurch erhält der Policenverkäufer einen direkten Mehrerlös. Zusätzlich bleibt ihm ein beitragsfreier Rest-Todesfallschutz erhalten.

Autor: Matthias Wühle | Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH | Rotfeder-Ring 5 | 60327 Frankfurt am Main |              info@policendirekt.de | www.policendirekt.de

27. September 2013 | Behrschmidt & Kollegen VM GmbH | Altersversorgung | Altersvorsorge, Lebensversicherung

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