Handelsbilanzielle Rückstellungen bei Pensionszusagen vernichten Eigenkapital!

1. AKTUELLE SITUATION

Unternehmen, die ihre betriebliche Altersversorgung auf dem Wege der Direktzusage durchführen, sind stark von den Auswirkungen der stetig sinkenden Rechnungszinsen für die Bewertung von Versorgungsverpflichtungen in der Handelsbilanz, der sogenannten HGB-Zinsschmelze, betroffen.

Die außerordentlichen Rückstellungserhöhungen für bestehende Pensionsverpflichtungen zum Bilanzstichtag schmälern in vielen Fällen deutlich das Jahresergebnis. Weiterhin reduzieren sie in der Folge die Ausschüttungserwartungen von Gesellschaftern und Aktionären und verschlechtern gegebenenfalls die Finanzierungskonditionen bei Fremdkapitalbedarf.

2. PROGNOSEMODELLE

In diesem Zusammenhang können Prognosemodelle den beschriebenen Zinseffekt bei heutigen Annahmen bis in das Jahr 2020 darstellen. Dies ermöglicht einen klaren Blick auf die Verpflichtungen und hilft bei der Unternehmenssteuerung. Hierzu haben wir die Prognosen verschiedener Dienstleister (u.a. der Heubeck AG) zusammengefasst und einen Durchschnittswert ermittelt:

SP1

 

3. BEISPIEL

Aktuell steht der Zinssatz zur Bewertung der Pensionsverpflichtungen in der Handelsbilanz bei 4,53%. Bis 2020 wird er sich voraussichtlich auf 1,96% absenken, sofern das derzeitige Zinsniveau gleich bleibt. Das wiederum führt zu einer Explosion der Pensionsrückstellungen. Hierzu haben wir ein Beispiel kalkuliert:

SP2

 

SP3

 

4. BEDEUTUNG DES PERMANENTEN ZINSRÜCKGANGS

Der bisherige Rückgang des Rechnungszinses von 5,25% in 2010 auf 4,53% in 2014 lag bei lediglich 0,72%-punkten.

Von 2014 bis 2020 ist ein deutlich höherer Rückgang um 2,57%-punkte zu erwarten.

Das Beispiel des im Jahr 1960 geborenen Versorgungsberechtigten zeigt den enormen Anstieg um 368.604,00 € bis 2020 und um 514.905,00 € bis zum 65. Lebensjahr. Damit VERDREIFACHT sich in diesem Fall die aktuelle Rückstellung. Bei einem „Mittvierziger“ wird sich die Rückstellung sogar fast VERACHTFACHEN. Und bei Rentnern erfolgt KEIN ABBAU wie sonst üblich, sondern noch eine Erhöhung der Rückstellungen. Bei gehaltsabhängigen Zusagen oder weiteren Bausteinen können diese Auswirkungen noch höher sein. Diese Effekte können durch uns für alle Pensionszusagen kalkuliert werden.

Insgesamt sind somit sämtliche Altersgruppen stark von diesen Veränderungen betroffen.

Hierdurch werden die notwendigen Finanzierungsmittel, welche für die Erfüllung der Pensionszusage benötigt werden, deutlicher als bisher ersichtlich.

5. MÖGLICHE ANPASSUNG DER STERBETAFELN

Zuletzt ist nicht auszuschließen, dass in absehbarer Zeit eine Veröffentlichung neuer Sterbetafeln erfolgt, die die gestiegenen Lebenserwartungen berücksichtigen werden. Deren Anwendung wird dann auch zu weiteren einmaligen außerordentlichen bilanziellen Rückstellungserhöhungen führen. Die letzte umfassende Anpassung der üblicherweise verwendeten Heubeck`schen Sterbetafeln stammt aus dem Jahr 2005.

FAZIT

Durch die sich abzeichnenden Veränderungen der Rechnungsgrundlagen führen Pensionsrückstellungen zu außerplanmäßigen handelsbilanziellen Verlusten. Diese verringern das handelsbilanzielle Eigenkapital deutlich. Sie können jedoch bereits heute prognostiziert werden. Ebenso gibt es verschiedene Handlungsmöglichkeiten, die diese Effekte abmildern oder verhindern.

Eine Ausgliederung der unveränderten Pensionszusage auf einen Pensionsfonds oder eine rückgedeckte Unterstützungskasse ist nicht immer der sinnvollste Weg. Im Einzelfall kann geprüft werden, ob und wie weit die Versorgung reduziert oder strukturell so verändert werden kann, so dass die Kosten der Zusage für das Unternehmen vertretbar bleiben.

30. April 2015 | Behrschmidt & Kollegen VM GmbH | Allgemeine News

Schreiben Sie den ersten Kommentar zu "Handelsbilanzielle Rückstellungen bei Pensionszusagen vernichten Eigenkapital!"




Ansprechpartner

Eine gute Beratung und Ihre Zufriedenheit liegen uns am Herzen. Unsere Kundenberater von Behrschmidt & Kollegen sind für Sie von Montag bis Freitag von 08:30 Uhr bis 17:00 Uhr telefonisch erreichbar.

+49 (0) 911 495 20 10

Sie können uns auch eine E-Mail senden an:

service@behrschmidtkollegen.de

Kundenbewertungen

Wie zufrieden unsere Kunden mit unseren Versicherungslösungen sind, zeigen uns die vielen positiven Bewertungen, die uns regelmäßig erreichen.

106 Bewertungen auf kundennote.com

Bewertungen lesen

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Hier beantworten wir Fragen, die wir häufig rund um das Themengebiet der Berufshaftpflichtversicherung gestellt bekommen.

zum FAQ-Bereich

Sonderkonditionen für Juristinnen und Juristen dank verstärkter Kooperation mit Hülskötter & Partner [mit Video]

Sonderkonditionen für Juristinnen und Juristen dank verstärkter Kooperation mit Hülskötter & Partner [mit Video]

Das aktuelle Videointerview mit Jennifer Hülskötter von Hülskötter & Partner entstand an einem z …
weiterlesen

Immobilienmakler und Wohnverwalter müssen Vermögensschadenhaftpflichtschutz nachweisen

Immobilienmakler und Wohnverwalter müssen Vermögensschadenhaftpflichtschutz nachweisen

Als im Juni vergangenen Jahres das „Gesetz zur Einführung einer Berufszulassungsregelung für gewerbl …
weiterlesen

Was ist ein Versicherungsmakler?

Haben Sie sich auch schon mal gefragt: Welche Vorteile ergeben sich aus der Zusammenarbeit mit einem Versicherungsmakler? Warum ist die Entscheidung für einen Versicherungsmakler die richtige? Was macht eigentlich ein Versicherungsmakler?

Hier kommt die Antwort!



Sie haben eine Frage? Wir stehen Ihnen zur Verfügung.

Telefon: +49 (0) 911 495 20 10 | Montag bis Freitag: 8:30-17:00 Uhr

Rückruf vereinbaren FAQ

Behrschmidt & Kollegen Versicherungsmakler GmbH
Behrschmidt & Kollegen Vorsorgeexperten GmbH

Behrschmidt & Kollegen
Versicherungsmakler GmbH
Sigmundstraße 182
D- 90431 Nürnberg

Behrschmidt & Kollegen
Vorsorgeexperten GmbH
Sigmundstraße 182
D- 90431 Nürnberg

© 2018 Behrschmidt & Kollegen Versicherungsmakler GmbH | Alle Rechte vorbehalten